Nach Eurostat-Daten betrug Österreichs unbereinigtes geschlechtsspezifisches Lohngefälle (definiert als die relative Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft) 2015 21,7 Prozent und ist damit innerhalb des letzten Jahrzehnts leicht zurückgegangen (2006 lag es bei 25,5 Prozent). Im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gehört Österreich nach wie vor zu den Ländern mit den höchsten geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden und liegt über dem EU-28-Durchschnitt, der 2015 bei 16,3 Prozent lag. Basierend auf Daten aus dem Jahr 2014 (in denen Österreich ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 22,2 Prozent aufwies), führte die Statistik Austria eine Analyse verschiedener Faktoren durch, die das geschlechtsspezifische Lohngefälle beeinflussen: 8,6 Prozentpunkte ließen sich durch Unterschiede in beobachteten Merkmalen wie Wirtschaftstätigkeit, Beruf, Ausbildung, Alter, Dienstzeit im Unternehmen, Voll- und Teilzeitarbeit, Art des Arbeitsvertrags, Region oder Unternehmensgröße erklären. Die restlichen 13,6 Prozentpunkte ließen sich durch die beobachteten Merkmale erklären. Facharbeiter und Produktionsarbeiter mit zugehörigen Arbeitsabläufen, Lagerarbeiter, Transportarbeiter, Sicherheitsleute, Reinigungskräfte, Kantinenarbeiter, Handwerker, Servicetechniker, Vorgesetzte, Lotsen, Ausbilder und Kältetechniker, vgl. Abschnitt 2 der Verordnung über die allgemeine Anwendung des Tarifvertrags für Fischverarbeitungsbetriebe (nur Norwegisch), haben einen Mindeststundenlohn von: Teilzeitarbeit in Österreich ist gesetzlich definiert (Arbeitszeitgesetz), wobei die vereinbarte Wochenarbeitszeit im Durchschnitt unter der gesetzlich festgelegten normalen Arbeitszeit liegt. Nach dem Günstigkeitsprinzip können Tarif- und Betriebsvereinbarungen nur eine kürzere normale Arbeitszeit vereinbaren. Seit 2007 (Änderung des Arbeitszeitgesetzes) wurde ein erhöhter Lohnsatz von 25 % für zusätzliche Arbeit (auch innerhalb der normalen Arbeitszeit) eingeführt. Zusätzliche Arbeit wird bis zur Grenze der normalen Arbeitszeit (40 Stunden pro Woche) definiert, daher beginnen die Überstundenvergütungssätze in der Regel über die 40-Stunden-Grenze hinaus, so dass die Änderung einen verbesserten Lohnsatz für Teilzeitarbeit unterhalb der 40-Stunden-Grenze eingeführt hat. In Österreich gibt es keine gesetzliche Mindestlohnregelung.

Die Mindestlöhne sind nicht gesetzlich festgelegt, sondern in Branchen-/Branchentarifverträgen festgelegt. Der Lohn satzfürh für die am wenigsten qualifizierte Gruppe von Arbeitnehmern bestimmt den de facto Mindestlohn für die Industrie, die unter den geltenden Tarifvertrag fällt. Seit 2008 wird in nahezu allen Wirtschaftszweigen tarifvertraglich ein monatlicher Mindestlohn von 1.000 Euro (brutto) festgelegt. 2010 forderten die Gewerkschaften einen Mindestlohn von 1.300 Euro, 2012 forderte die ÖGB-Frauengruppe einen Mindestlohn von 1.500 Euro, 2015 führte die Gewerkschaft eine Kampagne zur Anhebung des Mindestlohns auf 1.700 Euro in allen Tarifverträgen (das sind zwei Drittel des Medianeinkommens). Diese Ziele wurden noch nicht erreicht, aber vor kurzem wurde ein Zeitplan für das Erreichen von 1.500 EUR festgelegt. Im Jänner 2017 forderte Österreichs damalige Bundesregierung die Sozialpartner auf, über die Einführung eines branchenübergreifenden Mindestlohns von 1.500 Euro zu verhandeln, der bis Mitte 2017 Lösungen vorlegen soll. Sollte bis dahin keine Sozialpartnervereinbarung vorgelegt werden, würde die Regierung gesetzliche Regelungen umsetzen. Nach monatelangen Verhandlungen stellten die Chefs der vier wichtigsten Sozialpartnerorganisationen am 30.

Juni 2017 das Ergebnis vor: Es wurde eine allgemeine Einigung über die Einführung eines Mindestlohns von 1.500 Euro erzielt. Der neue Mindestlohn soll bis 2020 über branchenspezifische Tarifverträge umgesetzt werden (in allen Branchen, in denen der Mindestlohn derzeit niedriger ist).